Initiative „abrüsten statt aufrüsten“

Wir brauchen das Geld für Investitionen im Sozialen, der Umwelt, der Wissenschaft und für Bildung! Deswegen Abrüstung!

In der Woche beginnend mit dem 7.12.2020 soll der Bundeshaushalt für 2021 verabschiedet werden. Der „Verteidigungshaushalt“ soll erneut um 2,6% steigen, 50 Milliarden Euro für Rüstung drohen!

Wir wollen eine Umkehr zu Entspannungspolitik und Abrüstung.

Deswegen rufen wir – die Initiative „abrüsten statt aufrüsten“ – zum bundesweiten Aktionstag am 5.12.2020 auf.

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Gedenken an die Reichspogromnacht am 9.November

Alternativer Stadtrundgang und Gedenkfeier

14-ca. 15.45h  (Beginn vor dem Rathaus, Ende am Feuerwehrhaus)

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16h Beginn der Gedenkfeier am Feuerwehrhaus:

In der Nacht vom 9, auf den 10. November 1939 zündeten Nazihorden  bruchsals Synagoge an…

  • Rede vom Günter Majewski (ca. 10 min)
  • Gedichte von Schüler*innen des SBG zur Pogromnacht
  • Rede der Oberbürgermeisterin (ca. 10 min)

Musikalische Umrahmung .

Der Förderverein Haus der Geschichte der Juden Badens wird ein Informationsblatt zu den Ereignissen am 9.11.38 in Bruchsal verteilen.

 

 

Wisst Ihr nicht, dass man das nicht darf

Rede bei der Gedenkstunde zur Bruchsaler Synagoge am 9.11.2017
von Rainer Kaufmann

Zunächst vielen Dank den Initiatoren dieser Gedenkstunde, der Friedensbewegung, dass sie mich eingeladen hat, hier ein paar Gedanken beizusteuern. Ich spreche nicht für mich, ich weiß aus vielen Gesprächen, dass es viele Leute in Bruchsal gibt, die ebenso denken. Und ich weiß, dass es außerhalb von Bruchsal ja außerhalb Deutschlands einige Menschen gibt, die in den nächsten Monaten mit Interesse verfolgen, was hier an diesem Ort geschehen soll.

Dieser Platz ist ja wirklich eine einzigartige Situation vielleicht für ganz Deutschland: Hier stand die jüdische Synagoge, die in der Nacht zum 10. November 1938 abgefackelt wurde und die Bruchsaler Feuerwehr griff nicht ein, weil im Hydrant angeblich kein Wasser war. In den 50-er Jahren hat die Stadt das Gelände von der Jewish Restitution Successor Organisation gekauft und keine 20 Jahre nach der Vernichtung der Synagoge ausgerechnet hier ein Feuerwehrhaus gebaut. Was für eine historische Gedankenlosigkeit. Man könnte es auch Verantwortungslosigkeit nennen.

Nach den Recherchen von Rolf Schmitt gibt es noch vielleicht eine Handvoll ähnlicher Fälle in Deutschland. Allerdings ist uns bis heute kein Fall bekannt, dass es sich dabei um eine der rund 1.000 Synagogen handelte, die in der Reichsprogromnacht ohne Schutz der Feuerwehr abgebrannt wurden. In den wenigen anderen Fällen wurden die Synagogen nach dem Krieg erst abgerissen. Und einige der fragwürdigen Nachkriegs-Nutzungen wurden mittlerweile in eine Gedenk- oder Begegnungsstätte umgewidmet.

In den 80-er Jahren hatte ich angeregt, zum Gedenken an die frühere Synagoge wenigstens ein einziges Mal ein Klezmer-Konzert in der Fahrzeughalle des Feuerwehrhauses veranstalten zu dürfen. Das wurde abgelehnt mit der Begründung: die Feuerwehr müsse ständig einsatzbereit sein. Dass damals aber jährlich einmal ein großes Feuerwehrfest in der Halle und hier auf dem Vorgelände stattfand, was die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr offensichtlich nicht behinderte, wurde großzügig übersehen. Das eigentlich Unmögliche durfte auf keinen Fall auch noch thematisiert werden. Den Vorschlag eines Klezmer-Konzertes im Feuerwehrhaus wiederhole ich hier und heute ausdrücklich.

Diese Gedenktafel wurde auch sehr spät erst angebracht, im Jahr 1999, nachdem sich eine Schülergruppe aus dem Paulusheim als erste Gruppierung in der Stadt der Geschichte der Synagoge angenommen hatte. Vor ein paar Wochen noch war diese Tafel fast völlig mit Wildwuchs zugewuchert und damit auch die bescheidene Erinnerung an die Geschichte dieses Ortes. Fast schon symbolhaft. Nach einer eher lauen Facebook-Diskussion wurde der Wildwuchs rasch beseitigt. Von alleine ist das in dieser Stadt und ihrer Verwaltung niemandem aufgefallen.

Die Feuerwehr wird in ein oder zwei Jahren umziehen und dann wird dieses innerstädtische Filet-Grundstück frei. Die Frage ist: Wird Bruchsal dann die Größe aufbringen und diese einmalige Nachkriegssituation – auch ein Stück unserer Geschichte – für alle Zeiten dokumentieren oder wird das Feuerwehrhaus einfach platt gemacht, um das Grundstück einer optimierten kommerziellen Nutzung zuführen zu können. Es gibt einige Initiativen, etwa die des Vereins zum Erhalt historischer Gebäude oder die von Gerhard Holler oder Rolf Schmitt. Und es gibt ein paar konkrete Vorschläge. Ich möchte jetzt nicht den Eindruck erwecken, als seien das meine Vorschläge, sie wurden mir aber zugetragen, damit ich sie hier und heute vortrage. Wie wäre es, zumindest die Garagen so zu lassen, wie sie sind, um darin eine Begegnungsstätte für Amateur-Ensembles unterzubringen? So etwas bräuchte man in Bruchsal. Oder das Stadtmuseum, das im Schloss ein kümmerliches Randdasein fristet. Die entsprechende Immobilien-Nutzung des Areals kann jederzeit über den Garagen stattfinden. Wer die Elbphilharmonie statisch hinkriegt, müsste auch dieses leisten. Und wenn man dann noch eine Etage über den Garagen retten könnte: Wo wäre das Stadtarchiv denn sinnvoller untergebracht als hier, eventuell sogar mit einem besonderem Teil-Archiv, das der jüdischen Bevölkerung dieser Stadt gewidmet ist.

Mitte der 80-er Jahre kam ich in Kontakt mit einem amerikanisch-jüdischen Anwalt aus New York: Paul Schrag. Adresse und Telefonnummer hatte ich vom Heidelsheimer katholischen Stadtpfarrer Paul Kallenbach, einem Ur-Bruchsaler aus der Stadtgrabenstraße und Jugendfreund meiner Eltern. Er hatte irgendeinen privatrechtlichen Streit in New York auszufechten, flog hin und verpflichtete Paul Schrag als seinen Anwalt.

Nicht von ungefähr. Denn Paul Kallenbach kannte Paul Schrag wohl seit ihrer gemeinsamen Jugendzeit. Schrag war Sohn eines Karlsruher Anwalts. 1938 konnte dieser mit seiner Familie noch rechtzeitig in die Staaten auswandern. Ein Teil der Familie Schrag lebte in Bruchsal, wo Paul Schrag regelmäßig seine Sommerferien verbrachte. Schrags Onkel war Mitbesitzer der Malzfabrik „Schrag und Söhne“ in der unteren Kaiserstraße, heute Möbel Fuchs. Er überlebte im Untergrund in Amsterdam, Paul Schrag vertrat ihn dann nach dem Krieg als Anwalt.

Schrag veröffentlichte im Jahr 1979 im Münchner Kindler-Verlag das Buch „Heimatkunde – die Geschichte einer deutsch-jüdischen Familie“. Das Buch ist zu großen Teilen Bruchsaler Heimatgeschichte, die Geschichte der Malzfabrik „Schrag und Söhne“ und ihrer Arisierung. Die Badische Landesbühne zeigte im Jahr 1981 deshalb auch eine eindrucksvolle Bühnenfassung. Schrag schrieb später noch „Die Geschichte vom Herrn Rath“, die zweifelsohne auch einige Bruchsaler Ereignisse dieser Zeit widerspiegelt und die von der BLB im Jahr 2010 in einer ebenfalls mehr als eindrucksvollen Lesung aufgeführt wurde. Die Geschichte vom Herrn Rath, von Schrag in Deutsch verfasst, wurde lange nach dessen Tod von Rolf Schmitt in den USA ausgegraben und auf der Webseite bruchsal.org publiziert. Paul Schrag verstarb im Jahr 1992. Seine Frau Suzanne ist jetzt 106 Jahre alt und erfreut sich „reasonable health and memory“, wie mir ihr Sohn im Frühjahr per e-mail mitteilte. Sie wird wohl, wenn sich an diesem Befund nichts geändert hat, am 29. November ihren 107. Geburtstag feiern können.

Mit diesem Paul Schrag also hatte ich in den 80-er Jahren telefonischen Kontakt, bei dem er mir ankündigte, demnächst Deutschland zu besuchen. Wir verabredeten uns zum Abendessen in Baden-Baden, wo er sein Quartier hatte. Schrag erzählte mir gleich zu Beginn unseres Gesprächs, er sei am Vormittag erstmals seit seiner Auswanderung wieder in Bruchsal gewesen, habe natürlich den Platz der ehemaligen Synagoge gesucht und darauf ausgerechnet ein Feuerwehrhaus vorgefunden. Obwohl er um mein Alter (Jahrgang 1950) wusste, schaute er mich lange schweigend und mit vorwurfsvollem, fast verzweifelten Blick an, um dann zu sagen: „Wisst Ihr nicht, dass man das nicht darf!“ Wisst Ihr nicht, dass man das nicht darf. Diesen Satz habe ich bis heute nicht vergessen. Und das, was man nicht darf, ist bis heute Realität in Bruchsal. Ohne jede Diskussion. Es ist halt so.

Und gleich danach kam er mit einer weiteren Geschichte: Schrag besuchte auch den jüdischen Zentralfriedhof auf dem Eichelberg, der damals noch frei zugänglich war. Als er gerade dabei war, ein Grab seiner Vorfahren zu suchen, hörte er von der benachbarten Eichelberg-Kaserne Maschinen-Gewehr-Salven, Standortschießanlage. „Wisst Ihr nicht, dass so etwas schmerzt?“ Dabei hatte Schrag überhaupt nichts gegen Bundeswehr und NATO. Nur: an dieser Stelle, die er, wie auch Bruchsal, nie wieder in seinem Leben werde besuchen wollen, tat es eben unendlich weh. Der Rest des Abends war ein wirklich angenehmes Gespräch vor allem über sein Buch Heimatkunde und seinen Onkel und dessen Malzfabrik.

Ich fühle mich diesem wirklich ungemein freundlichen und liebenswerten Menschen – so habe ich Paul Schrag an diesem Abend in Baden-Baden erlebt – verpflichtet, wenn ich hier und heute im Namen vieler Gleichgesinnter die Stadt und den Gemeinderat auffordere, eine Lösung für dieses Areal zu finden, die diese Geschichte – Feuerwehrhaus und Synagoge – nicht per Abriss wegbaggert. Denn die Gedankenlosigkeit der Nachkriegszeit muss der Nachwelt erhalten bleiben. Irgendeine Erinnerungstafel, die man dann jederzeit überwuchern lassen kann, geht eigentlich nicht. Und es geht auch nicht, dass Stadtplaner und Architekten – meist unter dem Druck wirtschaftlicher und kommerzieller Sachzwänge – alleine entscheiden, was wir mit den baulichen Zeugen unserer Geschichte machen. Geschichte, das heißt Geschichtsschreibung, kann nur werden, was wir an Quellen und Zeugnissen der Nachwelt hinterlassen.

Planer sind es eigentlich gewohnt, Vorgaben umzusetzen, wenn sie ihnen denn gemacht werden. Ein Beispiel: Die Wohnbebauung am Bleichweg gleich neben der früheren Malzfabrik Schrag und Söhne. Zitat aus der Bruchsaler Rundschau nach einer Gemeinderatsdebatte: Am Ende war man sich weitgehend einig, dass man die Entscheidung jedenfalls nicht dem Investor alleine überlassen dürfe und legte sich – und damit die Planer – auf die zwei Punkthäuser fest.“ Der Gemeinderat hat sich damals einem neunstöckigen Wohnturm, den der Investor wollte, widersetzt. Dieses Beispiel einer politischen Vorgabe für die Planung kann hier an diesem Platz wiederholt werden, wenn der politische Wille da ist.

 

“Erinnern, Gedenken, Verantwortung übernehmen” – Führung durch den Gedenkpfad Eckerwald sowie die Gedenkstätte und den KZ-Friedhof Schörzingen

Die Gedenkstätte Eckerwald erinnert an eines der letzten mörderischen Kapitel nationalsozialistischer Kriegspolitik. Im Herbst 1944 wurde von Häftlingen des KZ Schörzingen in einer Bauzeit von rund drei Monaten auf diesem Gelände eine Schieferölfabrik errichtet. Das KZ bei Schörzingen bestand von Januar 1944 bis April 1945. Die Zahl der Häftlinge betrug mehr als 1.000. Aufgrund der katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen verstarben mindestens 549 Häftlinge, die in Massengräbern auf der „Donauwiese“ verscharrt wurden.

Die Anlage gehörte zum „Unternehmen Wüste“, einem Industriekomplex, dessen Bestimmung es war, die Treibstoffkrise, die sich im Verlauf des Zweiten Weltkriegs abzeichnete, zu beheben. KZ-Häftlinge aus sieben Außenlagern von Natzweiler-Struthof entlang der Bahnlinie Tübingen-Rottweil wurden hier gezwungen, ihren Beitrag zur Kriegswirtschaft zu leisten. Sie sollten der Ölproduktion dienen. Während die Ölgewinnung nicht gelang, wurde allerdings das zweite Ziel erreicht, die Vernichtung der KZ-Häftlinge durch Arbeit.

Für Samstag, 26.09.2020, laden wir zu einer Führung durch den Gedenkpfad Eckerwald sowie die Gedenkstätte und den KZ-Friedhof Schörzingen ein, mit der wir an dieses ganz dunkle Kapitel deutscher Geschichte erinnern wollen.

 

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Ein antifaschistischer Konsens für eine Welt des Friedens, der Freiheit und der Völkerverständigung am 1. September in Karlsruhe

1. September 2020

Rede der VVN-BdA Karlsruhe bei der Kundgebung von DGB und Friedensbündnis zum 1. September/Antikriegstag

Haben Sie sich eigentlich schon einmal gefragt, warum die Bahn immer häufiger Verspätung hat? Mit Sicherheit! Und da gibt es viele Gründe… Aber im Januar diesen Jahres kam ein neuer hinzu. Da schloss die Deutsche Bahn mit der Bundeswehr einen Vertrag über die Bereitstellung von 300 Waggons und Lokomotiven zusätzlich zu den bereits von ihr gesicherten 280 Flachwagen ab. Damit sind 12% des europaweit verfügbaren Bestandes an Flachwagen für die Bundeswehr reserviert. Alleine 2020 könnten demzufolge mehr als 1.300 Transporte Richtung russischer Grenze erfolgen. Um diese Aufgaben bewältigen zu können, wurde die „Vorfahrtsregel“ umgekehrt. Hatte bisher ziviler Personenverkehr Vorrang, haben jetzt Militärtransporte Priorität. Nicht Militärtransporte werden auf ein Ausweichgleis gelenkt, bis der fahrplanmäßige Personenzug durch ist, sondern umgekehrt: die zivilen Fahrgäste müssen künftig warten, bis die Panzer gen Osten gerollt sind.

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Rede zur Gedenkveranstaltung am 1. September 2020 in Bruchsal

Dr. Rüdiger Czolk, Friedensinitiative Bruchsal

Den Opfern von Krieg, Terror und Gewalt. Sie rufen uns auf, den Nächsten zu achten und Frieden zu suchen. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe. Erster Korinther 13.13

Liebe Anwesenden,
mit diesen Worten erinnert das Mahnmal hinter mir an die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Dieser wurde durch den Überfall auf Polen vor 81 Jahren, nämlich am 1. September 1939, von deutschem Boden aus durch das Nazi-Regime angefangen. Der Krieg ist nicht ausgebrochen, wie manchmal formuliert wird, sondern er wurde gemacht, ja er wurde sogar konsequent vorbereitet. Deshalb sind auch die Folgen des Krieges, nämlich unzählige Tote, Ermordete, Flüchtende und nach dem Krieg traumatisierte Menschen, nicht zu betrachten wie die Opfer einer Naturkatastrophe. Sie sind die Konsequenz einer Kriegslogik.
Berta von Suttner – Pazifistin und Friedensnobelpreisträgerin – hat diese Kriegslogik so beschrieben:
„Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut soll immer wieder mit Blut abgewaschen werden. “
Manch einer denkt sich, warum wird immer wieder an dieses Unrecht erinnert. Das ist doch schon Geschichte. So etwas passiert nicht wieder. Es mag sein, und ist auch sehr unwahrscheinlich, dass sich solch ein Unrecht in genau dieser Form noch einmal ereignet. Aber das Erinnern am Antikriegstag, der am 1.9.57 durch den DGB ins Leben gerufen wurde und inzwischen eine gute Tradition ist, hilft uns, wachsam zu sein, und alles Erdenkliche dafür zu tun, dass solche Gräuel eines Krieges nicht wieder ge-
schehen. Diese Erinnerungsarbeit, ist nicht nur ein Gedankenspiel oder Beschäftigung für unser Hirn.
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Aufruf zur Gegendemo nach Berlin am 29.8.2020

Der Berliner Senat die Demos von „Querdenken“ und Nazis am Samstag, den 29. August verboten. Wir rufen weiterhin dazu auf, an den Gegenprotesten teilzunehmen. Denn trotz Verbots mobilisiert die bundesweite „Querdenken“-Bewegung weiter für dieses Wochenende nach Berlin. Im Schlepptau: Nazis jeglicher Couleur, Antisemiten, Islamfeinde, Rassisten, Holocaustleugner, Volksverhetzer, Geschichtsrevisionisten und Verschwörungsideologen.

Bereits jetzt ist klar, dass die Berliner AfD am 29. August ab 11 Uhr zu einer Kundgebung gegen die Verbote am Brandenburger Tor aufruft. Umso wichtiger, dass der Gegenprotest stattfindet und laut und entschlossen ist, ganz besonders die zentrale Bündniskundgebung am Samstag, den 29. August ab 9.30 Uhr am nahe gelegenen Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas am Simsonweg (gegenüber Brandenburger Tor).

Antikriegstag 1. September: Ohne Frieden ist alles nichts

Willi Hoffmeister, ehemaliger Betriebsrat Hoesch und Urgestein des Ostermarsch Ruhr. Foto: Hartmann

 

Am 1. September 1939 begann mit dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen der Zweite Weltkrieg. 60 Millionen Tote, Not und Verwüstung waren das Ergebnis der Nazidiktatur. Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus war der Leitfaden der Antifaschisten nach dem Ende der Hitler-Ära.

Doch das „Nie wieder“ wurde schon bald mit der unheilvollen Remilitarisierungspolitik Westdeutschlands durch die Regierung Adenauer zu Makulatur. Hier schon wurde indirekt der Grundstein für die deutsche Beteiligung am völkerrechs- und grundgesetzwidrigen NATO-Angriffskrieg auf Jugoslawien und an weiteren Kriegen gelegt. Heute, 70 Jahre nach der Niederschlagung des Faschismus müssen wir feststellen: Kriege eines kapitalistischen Deutschland sind wieder auf der Tagesordnung.

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Noch einmal Defender 2020 – das Großmanöver im Baltikum an der Grenze zu Rußland

Das wegen Corona -Pandemie abgesagte Manöver wird nun mit aller Macht im Baltikum fortgesetzt. Die Deutsche  Bundesbahn Stellt Gleise und Züge für den Transport zur Verfügung mit mutet uns Verspätungen und Zugausfälle zu. „Sollen wieder Räder rollen für den Sieg“?  Das hatten wir schon mal.

Hat mein Zug wieder Verspätung? Das haben Sie sich als Fahrgast der Deutschen Bahn wahrscheinlich schon oft gefragt, hoffend, dass die Bahn zu ihrer alten Zuverlässigkeit zurückkehrt. Aber diese Hoffnung wird sich wohl nicht erfüllen. Denn die Bundesbahn hat klammheimlich mit der Bundeswehr einen Vertrag über die Bereitstellung von 300 Waggons und Lokomotiven zusätzlich zu den bereits von ihr gesicherten 280 Flachwagen abgeschlossen.

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Staatsanwalt im Visier

 

Verschleppte Ermittlungen gegen Polizeibehörden im „NSU 2.0“-Skandal

 

 

 

Der Skandal um Verstrickungen hessischer Polizeibeamter in neofaschistische Netzwerke weitet sich auf andere Behörden aus. So wirft die Linksfraktion im Hessischen Landtag der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main vor, die Ermittlungen bezüglich des sogenannten NSU-2.0-Netzwerks verschleppt zu haben.

„Im Fall der NSU-2.0-Morddrohungen, die in Frankfurter und Wiesbadener Polizeirevieren abgerufene, nicht öffentlich zugängliche Daten enthalten, steht der Verdacht im Raum, dass Ermittlungen verschleppt worden sind und so der Beweisvernichtung Vorschub geleistet wurde. Hierfür ist die Frankfurter Staatsanwaltschaft verantwortlich“, sagte Ulrich J. Wilken, Rechtspolitischer Sprecher der Linksfraktion im hessischen Landtag.

Bei der Sondersitzung des Innenausschusses sei es im Fall der Morddrohungen gegen die Kabarettistin Idil Baydar angeblich acht Monate nicht möglich gewesen, die Bediensteten des 4. Reviers in Wiesbaden zu vernehmen, wo die Daten abgefragt worden waren. „Ebenso bizarr: Im Fall Janine Wissler sind außer einem Beamten die weiteren, für ein Abrufen persönlicher, nicht öffentlicher Daten in Frage kommenden Bediensteten des 3. Reviers in Wiesbaden nicht einmal vernommen worden“, so Wilken weiter.

Zugleich übte der Landtagsabgeordnete Kritik an Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU). Wilken erinnerte die Ministerin daran, dass die für die Ermittlung der Täter zuständige Staatsanwaltschaft ihrem Ministerium zugeordnet ist, was Kühne-Hörmann vergessen zu haben scheint.Es gehöre „zu den wenig erbaulichen Tatsachen, dass nicht nur Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) ganz offenkundig in seinem Amt überfordert ist“, so Wilken. Eine Justizministerin, die ihrer Aufsichtspflicht gegenüber den Staatsanwaltschaften nicht nachkomme, sei ebenso fehl am Platz.

Am Montag forderte auch der Vorsitzende des „Bundes Deutscher Kriminalbeamten“ (BDK), Sebastian Fiedler, gegenüber den „Stuttgarter Nachrichten“ Konsequenzen aus der „NSU 2.0“-Affäre und sprach sich für externe Ombudsstellen sowie Whistleblower-Hotlines aus, „damit verfassungsfeindliche Vorgänge aus dem Kollegenkreis herausdringen können“. In einigen Ländern gebe es zwar Polizeibeauftragte, doch seien diese eher dazu da, Beschwerden von Bürgern aufzunehmen. „Der Polizeibeauftragte, den ich befürworten würde, wäre einer, der – wie der Wehrbeauftragte – eine Innensicht hat und auch außerhalb des Dienstwegs niedrigschwellig Hinweise von Kollegen annehmen könnte“, sagte Fiedler dem Blatt.

Die „Zeit“ erhielt auf Fragen, die sie an „NSU 2.0“ mailte, die Antwort, „Wir sind ein Zusammenschluss heimattreuer Elitekämpfer“. Eine Verbindung zu den rechtsextremen Vorfällen bei der Eliteeinheit der Bundeswehr, dem Kommando Spezialkräfte (KSK), wäre für die Sicherheitsbehörden ein Albtraum, kommentiert das der „Tagesspiegel“.

Autor: Markus Bernhardt

2012 veröffentlichte er das Buch „Das braune Netz: Naziterror – Hintergründe, Verharmloser, Förderer“ über das faschistische Terrornetzwerk „NSU“ im PapyRossa Verlag Köln.

Laut einer dpa-Meldung liegen den deutschen Behörden Informationen über mindestens 400 rechtsextreme Verdachtsfälle bei Landes und Bundespolizei vor. Dabei zählten die Bundesländer seit 2014 340 rechtsextreme,  rassistische oder antisemitische  Verdachtsfälle, wie eine Umfrage  des Nachrichtenmagazins „Spiegel“bei den Innenministerien von Bund und Länder ergeben hat.