25.04.2017
Pressemitteilung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Bund der Antifaschisten Baden-Württemberg e.V. , Kreisvereinigung Karlsruhe VVN-Bund der Antifaschisten

Gedenken an die Zerstörung der Stadt Gernika vor 80 Jahren

Gernika wurde am 28. April 1366 gegründet und wird seither von Basken als heilige Stadt verehrt, da sie das Symbol des Kampfes um Unabhängigkeit ist. Seit dem Mittelalter fanden hier Ratsversammlungen statt. Die umliegenden Könige von Navarra und Kastilien schworen unter der Eiche von Gernika, die besonderen Autonomiegesetze der Bizkaia, die Fueros, zu achten und zu wahren.

In Gernika befindet sich oberhalb der Stadtmitte das heilige Nationalsymbol der Basken, eine Eiche (Gernikako Arbola), unter der bis 1876 die Ältestenräte aus dem ganzen Baskenland jährlich zusammenkamen, um eine Form von direkter Demokratie auszuüben. Der Baum wird jeweils, wenn er abstirbt, durch eine Neupflanzung aus den Früchten des alten Baumes ersetzt.

Gedenken an die Zerstörung der Stadt Guernika vor 80 Jahren und an den antifaschistischen Widerstand aus Karlsruhe und Baden. Vor 80 Jahren wurde die baskische Stadt Guernika Ziel eines verbrecherischen Luftschlags durch die deutsche Wehrmacht. Am 26. April 1937 startete die Legion Condor die Bombardierung der Zivilbevölkerung und den Angriff auf die demokratisch gewählte Spanische Republik.

Das Ergebnis war verheerend: 80% aller Gebäude wurden zerstört, über 40% der Bevölkerung getötet oder verletzt. Der gesamte Ortskern der 1.000 Jahre alten Stadt wurde vernichtet. Gründe für die militärische Intervention lieferten deutschen Rüstungskonzerne wie AEG, IG Farben und Siemens; es ging vor allem um die Sicherung von Rohstoffquellen für die Industrie, insbesondere um Bergwerksrechte. Auch Karlsruher Unternehmen profitierten am faschistischen Terror in Spanien.


Picasso: Nachbildung von Guernica in Form von Kacheln als Wandbild in Originalgröße in der Stadt Gernika. Foto Wikipedia

So die Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik Karlsruhe, die ab 1936 Patronen für die Legion Condor lieferte und an jedem Schuss verdiente. Der Rüstungskonzern hatte seinen Stammsitz im Gebäude des heutigen ZKM. Eine entsprechende Hinweistafel ist bis dato nicht vorhanden. Es ging aber auch um die Vorbereitung des II. Weltkriegs. Der Spanienkämpfer Emil Baumann aus Ortenau machte 1989 in einem Interview mit der Stattzeitung für Südbaden deutlich: „In Spanien ist der kommende Krieg ausprobiert worden, das war das Versuchskaninchen, die Generalprobe!“ [1] Die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) - Bund der Antifaschisten und ihre Mitgliedsverbände in über 25 Ländern Europas und Israel erklärten in einer Stellungnahme zum Jahrestag: „Dieser Angriff auf eine unverteidigte Stadt ist als „Zivilisationsbruch“ in die Geschichte eingegangen. Es war ein Angriff einer fremden Macht gegen eine legale Regierung und richtete sich einzig gegen die Zivilbevölkerung. Der Angriff bedeutete auch die Vernichtung der „heiligen Stadt der Basken“, Symbol ihrer freiheitlich- demokratischen Traditionen und ihrer selbstbewussten Kultur. ... 80 Jahre nach der Bombardierung Guernikas sind diese Tat und die Verantwortung der deutschen „Legion Condor“ dafür vielfach vergessen. Die FIR und ihre Mitgliedsverbände - nicht nur in Spanien - treten dafür ein, dass diese Geschehnisse einen festen Platz im kollektiven Gedächtnis der Völker behalten. Sie sind ein dauerhaftes mahnendes Symbol gegen alle völkerrechtswidrigen Kriegshandlungen.“ [2] Die VVN-BdA Kreisorganisation gedenkt nicht nur den Opfern des Luftschlags von Gernika, sondern auch dem Widerstand gegen die Franco-Diktator und gegen die Aggression des deutschen Faschismus in Spanien. An den Internationalen Brigaden, die aus aller Welt nach Spanien kamen um die Republik vor den Putschisten und dem NS-Regime zu verteidigen, Bankverbindung: Postbank Karlsruhe Kto.Nr. 107303-752 (BLZ 66010075) Unsere Landesvereinigung ist vom Finanzamt Stuttgart als gemeinnützig anerkannt und berechtigt, entsprechende Spendenbescheinigungen auszustellen. beteiligten sich auch zahlreiche Menschen aus Karlsruhe und Baden. Brigitte und Gerhard Brändle legten hierzu 2016 eine umfangreiche Forschungsarbeit vor „ADELANTE LIBERTAD: Spanienfreiwillige aus Baden 1936 - 1939“.[3] Das Ettlinger Bündnis gegen Rassismus und Neonazis beschäftigte sich seinerseits in einer Broschüre ausführlich mit dem Ettlinger Spanienkämpfer Fritz Birk.


Das von der Legion Condor zerstörte Gernika. Foto Wikipedia

Der Jahrestag der Zerstörung der Stadt Gernika bis auf ihre Grundmauern und die Ermordung der Zivilbevölkerung durch die deutsche Wehrmacht ist uns eine Mahnung. Das historische Ereignis offenbart beispielhaft das verbrecherische Wesen des Faschismus. Unsere Lehren aus der Geschichte lauten: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“ und „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ Die VVN-BdA Kreisorganisation verweist dabei insbesondere auf die historischen Bezüge der Nazi-Verbrechen auf Karlsruhe und die heutige Verantwortung der Stadt für eine konsequente Haltung gegen Neofaschismus und Kriegspolitik. Im Gedenken an die Opfer von Gernika und an den antifaschistischen Widerstand ruft die VVN-BdA Kreisvereinigung alle demokratisch gesinnten Menschen in Karlsruhe und anderswo auf, am 3. Juni den neofaschistischen sog. „Tag der deutschen Zukunft“ (TddZ) zu verhindern! Heute wie damals in Spanien gilt: ¡No pasarán!

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Bund der Antifaschisten Baden-Württemberg e.V. Kreisvereinigung Karlsruhe VVN-Bund der Antifaschisten

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