24.10.2016
Presseerklärung zur 40.Markgräfler Friedenswoche

Kriege brauchen Waffen - Frieden braucht Mut! 40. Markgräfler Friedenswochen

Seit nunmehr 40 Jahren gibt es die Markgräfler Friedenswochen. So sehr diese Arbeit von Friedensaktivisten im Markgräflerland von einem breitem Publikum auch anerkannt wird, so sehr ist dies für den Friedensrat Markgräflerland Anlaß darauf zu verweisen, dass die Welt mit dem Ende der Ost-West-Konfrontration nicht friedlicher geworden ist. Die militarisierte Außenpolitik des wiedervereinigten Deutschland steht dafür als Beispiel. Schon während der Friedenwochen 1993 machte der Friedensrat dies mit einem Beitrag des Militärhistorikers Wolfram Wette zum Thema: "Deutsche Soldaten weltweit? Zur Kritik einer Militarisierung der deutschen Außenpolitik" deutlich. 23 Jahre später ist das Frage- durch ein Ausrufungszeichen zu ersetzen. Deutsche Soldaten sind weltweit im Einsatz. Politiker und Militärs sprechen davon, dass sich die Bundeswehr von einer Verteidigungs- zu einer "Einsatzarmee" gewandelt habe, militärische Einsätze zu normalen Mittel deutscher Politik geworden seien.

Dazu ein Nein zu sagen, sich nicht einverstanden erklären mit immer neuer Gewalt, neuen Kriegen und menschlichem Elend, dazu fordern die Veranstaltungen der diesjährigen Markgräfler Friedenswochen auf. Kriege kommen nicht aus einer grauen Wolke, Kriege werden gemacht. Von Politikern, die Kriege als Fortsetzung ihrer Politik ansehen. Um darauf aufmerksam zu machen, dass Kriege auch im Markgräflerland beginnen, gibt es die Mahnwachen vor der Kaserne der Deutsch- Französischen Brigade in Müllheim am 16.November und am 23. November. "Kriege brauchen Waffen" lautet ein Teilmottto der Friedenswochen. Munition ist ein Grundnahrungsmittel für Kriege. Ohne Munition kein Krieg. Dem Export von Waffen stehen über 80 Prozent der Deutschen kritisch gegenüber. Daher muss es erstaunen, dass der größte in Deutschland ansässige Rüstungskonzern, dieRheinmetall AG, in den letzten 10 Jahren ohne öffentliche Debatte zu einem der größten Munitionslieferanten der Welt aufsteigen konnte. In Neuenburg gibt es eine Niederlassung der Rheinmetall Waffe Munition. Unter der Überschrift "Rheinmetall entrüsten - Stoppt den Waffenhandel" ruft der Friedensrat zu einer Protestaktion am 17. November vor Rheinmetall in Neuenburg auf. Im Gedenken an die Opfer vergangener Kriege gibt es in Deutschland den Volkstrauertag. Auch im Markgräflerland. So sehr der Friedensrat Markgräflerland sich auch für ein solches Gedenken als mahnende Erinnerung an die Forderung „Nie wieder Krieg!“ einsetzt, so wenig darf aus seiner Sicht dieser Tag missbraucht werden zur Rechtfertigung Opfer neuer Kriege. Aus Sicht des Friedensrats stellt die Teilnahme von Militärs an diesen Gedenkfeiern jedoch genau einen solchen Mißbrauch dar. Dieser Gedenktag aber braucht vor allem ein klares Bekenntnis zu zu einer Politik der friedlichen Konfliktlösungen. Deshalb fordert der Friedensrat einen Volkstrauertag ohne Militär und wird dies am 13.November auf dem Alten Friedhof in Müllheim bekräftigen. Unfriedlichkeit und Gewalt gibt es nicht nur nach außen zwischen Staaten, Gewalt gibt es auch im Innern eines Staates. Gegenwärtig erleben wir in Deutschland eine Welle der Gewalt gegen Flüchtlingseinrichtungen. Der jüngst verstorbene Max Mannheimer, jüdischer Überlebender des Holocaust und Gast einer der Markgräfler Friedenswochen erklärte gegenüber der rechten Gewalt:"Ihr seid nicht verantwortlich für das was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon!" Dass nicht wieder geschieht, was damals geschah, deshalb veranstaltet der Friedensrat am 9. November, dem Jahrestag der sogenannten "Reichskristallnacht", als in Deutschland jüdische Gotteshäuser geschändet wurden, einen Schweigemarsch zum Gedenken an die ermordeten jüdischen Mitbürger und als Protest gegen die Pogrome von heute. Ausgrenzung und Gewalt durch die Nazi Herrschaft erfuhren nicht nur die jüdischen Menschen in Deutschland. Millionen Menschen aus anderen Ländern wurden während der Zeit des Faschismus zu Zwangsarbeit gezwungen. Auch im Markgräflerland. Einer dieser Menschen war Julian Garlewicz aus Polen, der in Niederweiler Fronarbeit verrichten mußte. Weil er eine deutsche Frau liebte, wurde er in einem Steinbruch bei Lipburg gehängt. In Erinnerung an ihn und diese schlimme Zeit in Deutschland gedenkt der Friedensrat seiner 12. November auf dem Friedhof in Niederweiler. Welche konkreten, handgreifliche Folgen kriegerische Auseinandersetungen haben, thematisieren diese Veranstaltungen: Am 7. November geht Ulrich Greder, Pfarrer i. R. der Frage nach, wem denn Jerusalem gehöre und am 9. November spricht Dr.Wilhelm Wille über die Hoffnung christlichen Palästinenser auf einen tragfähigen Frieden in dieser Region. Und noch eine Veranstaltung beschäftigt sich mit der (un)friedlichen Situation im Nahen Osten. Jürgen Rose, ehemaliger Offizier der Bundeswehr, geht am 14. November der Frage nach, welche Rolle Israel im beständigen Nah Ost Dauerkonflikt spielt. Wieweit gewaltfreie Konfliktlösungen in der Lage sind, ebensolche zu lösen, damit beschäftigt sich Jürgen Menzel, Friedendesfachkaft im Evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe am 22. November am Beispiel des Sudan. Die 40. Markgräfler Friedenswochen beginnen am 5. November am Marktplatz Müllheim mit einer Einladung an die Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme:"Rue de la paix", den Frieden zur öffentlichen Sache machen!

http://www.friedensrat.org/pages/aktionen/2016/40.markgraefler-friedenswochen.php ----- Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.

Weitere Infos über die 40.Markgräfler Friedenswochen finden sie hier: http://www.friedensrat.org/pages/aktionen/2016/40.markgraefler-friedenswochen.php

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