31.01.2013
80. Jahrestag der Machtübertrag an Adolf Hitler mahnt

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus

Im Bürgerzentrum fand zum 80. Jahrestag der Machtübertragung an Adolf Hitler eine Veranstaltung statt. Sie wurde mit einen kurzen Alternativen Stadtrundgang eingeleitet. Etwa 30 sehr interessierte Teilnehmer folgten dem Stadtrundgang, der von Dr. Rüdiger Czolk traditionsgemäß seit über 25 Jahren regelmäßig durchgeführt wird. Die Frage des BNN-Journalisten Martin Stock, ob es denn nötig sei derartige Stadtrundgänge heute noch durchzuführen, wurden durch die Bank bejat. Die vergangene Geschichte müsse immer wieder präsent sein. Im Anschluss wurde im Seminarraum der Fritz Bauer - Film -Tod auf Raten gezeigt.

Ruth Birkle vom Gemeinderat Bruchsal hielt einleitenden Worte. HJR.

"Ich darf Sie und Euch heute hier begrüßen, im Namen der SPD und der Grünen Bruchsal, des DGB Bruchsal/Bretten, der Friedensinitiative Bruchsal und der VVN/BdA Karlsruhe. Wir wollen mit der Einladung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, das stellvertretend für alle anderen Konzentrationslager steht, erinnern sowie an die Machtübertragung an Hitler am 30. Januar 1933.

Heute vor 80 Jahren vereidigte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler als Reichskanzler und beauftragte ihn mit der Regierungsbildung. Zügig ging die NSDAP unter Führung Adolf Hitlers daran, potentiellen Widerstand und die parlamentarische Demokratie der Weimarer Republik auszuschalten. Fritz Bauer war SPD-Mitglied und Vorsitzender der Stuttgarter Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Wegen des geplanten Generalstreiks 1933 wurde Fritz Bauer acht Monate im KZ Heuberg gefangen gehalten und aus dem Staatsdienst entlassen. 1936 emigrierte er nach Dänemark und floh von dort 1943 nach Schweden.

1945 wurde die Legende der Stunde Null konstitutiv für die junge Bundesrepublik, für ein neues, ein anderes Deutschland. Doch in diesem fanden Mitläufer und aktive Nazis schnell einen festen Platz in Parteien, Vereinen und Organisationen. Bekannt sind Menschen wie Kurt Georg Kiesinger, aber es gab viele andere, die trotz NSDAP-Mitgliedschaft in den Staatsdienst aufgenommen wurden und die Liste der Bundestagsabgeordneten, die in der NSDAP gewesen waren, ist lang.

Gleiches trifft für die Richterschaft die Geheimdienste und später die Bundeswehr zu. Auf sämtliche alte Kader wurde zurückgegriffen. Sie alle gestalteten die Politik der jungen BRD. Wen wundert es, wenn Nazikriegverbrecherprozesse verzögert oder garnicht erst zugelassen wurden. Die Wiederbewaffnung stieß in der Bevölkerung auf breiten Widerstand innerhalb der Gewerkschaften und den linksorientierten Parteien. Im Zuge des Widerstandes gegen eine neue Armee wurde der der aktivste Teil der Widerbewaffnungsgegner die KPD am 17. August 1956 aus fadenscheinigen Gründen von der Adenauerregierung über das BVG verboten. Dazu hatte die Adenauerregierung sogenannte Kommunistenexperten mitwirken lassen. Unter ihnen der ehemalige Gestapomann Paul Opitz und der SS-Obersturmführer Karl-Heinz Siemens. Als Prozessvertreter schickte die Bundesregierung den Altnazi Ritter von Lex nach Karlsruhe. Die Folge war, das wieder Tausende Kommunisten in den Gefängnissen landeten.

Fritz Bauer kehrte 1949 aus dem Exil nach Deutschland zurück und stieß dort mit seiner Arbeit auf Ablehnung und Unverständnis bis hin zu offenem Hass und Antisemitismus. Als ermittelnder Staatsanwalt arbeitete er daran, dass Menschen für ihre Taten während der NS-Zeit vor Gericht gestellt und verurteilt wurden. Die Täter sollten sich nicht mehr hinter Befehl, Amt und Funktion verstecken können; es ging zentral um die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen. "Die Würde des Menschen ist unantastbar" war für Bauer keine positivistische Tatsachenbeschreibung, sondern etwas "erst herzustellendes", immer und immer wieder. Der Humanist und Freidenker Fritz Bauer machte sich mit der Aufarbeitung der Geschichte keine Freunde in einer Bundesrepublik, die nur möglichst schnell vergessen wollte. Bauer trug ganz wesentlich dazu bei, dass die Verbrechen vor Gericht überhaupt verhandelt und weltweit bekannt wurden. Er plante weitere Prozesse, als er überraschend tot in seiner Wohnung gefunden wurde. Die von ihm begonnenen Ermittlungen gegen die Schreibtischtäter der sogenannten Euthanasie wurden eingestellt. 80 Jahre nach der Machtübertragung an Hitler sind auch heute viele Menschen wieder der Meinung, diese 12 Jahre der deutschen Geschichte seien nun endlich zu vergessen. Auschwitz werde sich nicht wiederholen. Doch noch sind wir weit davon entfernt, für alle Menschen Verhältnisse geschaffen zu haben, in denen der Mensch kein erniedrigtes, geknechtetes und verlassenes Wesen ist. Solange die Grundlagen unserer Welt keine anderen sind, sind Bauers Worten ernst zu nehmen und zu erinnern: ´Alles ist Gegenwart und kann wieder Zukunft werden´".

Quelle: Ruth Birkle, Bruchsal
© Friedensinitiative Bruchsal